CO₂ / Alkalität / Pufferkapazität
Messwertbasierte Berechnung – gekoppelte und entkoppelte RAS/Aquaponik-Systeme
Dieses Tool ist eine akademische Demonstration von Zusammenhängen, kein Präzisionsinstrument. Kritischer Hebeleffekt pH: ±0,1 pH-Einheiten (typisch unkalibrierter Feldeinsatz) erzeugen ±23 % CO₂-Fehler. Bei Teststreifen (±0,5) übersteigt der Fehler 100 % – die Berechnung ist dann bedeutungslos. Weitere nicht-korrigierte Quellen: Ammonium-Pufferung, organische Säuren (UASB-Effluat, Acetat/Propionat), Ionenstärke >3 mS/cm, Temperaturgradienten. Phosphat-Korrektur der TA ist nur für ortho-PO₄ implementiert – Polyphosphate und organisch gebundenes P fehlen. Kein Ersatz für TA-Titration, ICP-OES/AAS und regelmäßige pH-Kalibrierung.
Einheiten HCO₃⁻
1 °dH = 0,3566 mmol/L HCO₃⁻ = 17,85 mg/L CaCO₃ = 10,00 mg/L CaO
Karbonatsystem (Harned & Davis 1943)
HCO₃⁻ ≈ TA_korrigiert [gültig pH 5,5–9; CO₃²⁻ vernachlässigbar bei pH <9]
CO₂(aq) = HCO₃⁻ / 10^(pH−pKa₁) · 44,01 [mg/L]
β ≈ ln(10) · [HCO₃⁻]·[CO₂] / ([HCO₃⁻]+[CO₂]) [mol/L·pH, Näherung]
PO₄-Korrektur
TA_korr = TA − [PO₄_ges mmol/L] · f_HPO4(pH)
⚠ Polyphosphate, Pyrophosphat, org. P nicht erfasst. NH₄⁺-Pufferung (pKa 9,25) fehlt.
Nitrifikation & Alkalitätsdrift (M2)
TA-Verlust [mmol/L·d] = g_NH₄N · 1000 / (14,01 · V_L)
ΔpH/d ≈ −TA-Verlust / β [Näherung für kleine Δ, gilt nicht bei pH-Sprüngen]
CO₂-Rate Fisch (M3)
CO₂-Rate_vol [mg/L·h] = R(T) · fish_kg / V_L
⚠ Ruhestoffwechsel. Fütterungspeaks: +50–150 %. Nachtabsenkung nicht modelliert.
Fehlerfortpflanzung CO₂ (Gauß)
δCO₂_TA = CO₂ · δTA / HCO₃⁻
δCO₂_ges = √(δCO₂_pH² + δCO₂_TA²)
Modellgrenzen (vollständig)
- Ionenstärke >3 mS/cm: Davies-Korrektur fehlt → pKa-Abweichung
- Organische Säuren aus UASB-Effluat (Acetat, Propionat): erzeugen nicht erfasste TA
- NH₄⁺/NH₃-Pufferung (pKa 9,25): relevant bei pH >8
- CO₂-Übersättigung durch biologische Spitzen: Gleichgewichtsmodell unterschätzt
- Q10-Modell: Fütterungspeaks, tagesrhythmische Aktivität nicht erfasst
- Decoupling (M4): rein messwertbasiert – Stripper-Geometrie/Typ nicht modelliert
- Roux et al. 2025: M4 basiert auf allg. Decoupling-Prinzip
Vorab: es gibt keine einheitliche Quelle.
In der Praxis gibt es drei Wege:
- Preset verwenden — T_ref und R_ref kommen aus dem Preset und passen zusammen. Solange die Systemtemperatur nicht extrem vom Preset-T_ref abweicht, ist das ausreichend.
- Eigene Messung — O₂-Verbrauch messen (mg O₂/kg·h), mit RQ ≈ 0,85 umrechnen: CO₂ = O₂-Verbrauch × (44/32) × RQ. Das ergibt R_ref bei der aktuellen Systemtemperatur – dann T_ref = Systemtemperatur setzen, Q10 ändert nichts mehr.
- Fischart nicht im Preset — Literatur zur Spezies suchen, nach Ruhestoffwechsel-CO₂ oder O₂-Verbrauch bei definierter Temperatur. Schlimmstenfalls: Wert für nächstverwandte Art nehmen und Q10 als Unsicherheitsparameter behandeln.
Fazit: Wenn Sie keine Literaturwerte haben, ist die eigene O₂-Messung bei Systemtemperatur + T_ref = Systemtemperatur) die präziseste Lösung – dann entfällt auch die Q10-Extrapolation vollständig.
Verwendete Referenzwerte:
Tilapia: Colt & Tchobanoglous (1981), Brett & Groves (1979)
Karpfen: Schreckenbach et al. (2001)
Forelle: Ultsch et al. (1980), Randall & Daxboeck (1984)
Wels und Barsch: Schätzung
Literatur (unter anderem)
- Harned, H.S. & Davis, R. (1943). Ionization constant of carbonic acid, 0–50 °C. J. Am. Chem. Soc. 65:2030–2037.
- Stumm, W. & Morgan, J.J. (1996). Aquatic Chemistry, 3rd ed. Wiley. (Kap. 3)
- Timmons, M.B. & Ebeling, J.M. (2013). Recirculating Aquaculture, 3rd ed. (Kap. 5)
- Roux, N. et al. (2025). Decoupled aquaponic systems. Lokale Kopie / Public Domain
- Masser, M.P. et al. (1999). Recirculating aquaculture tank production systems. SRAC Publ. 452.
- FAO: FISHERIES AND AQUACULTURE TECHNICAL PAPER 589 by UNO: Lokale Kopie, vorsicht: 56 MB / Public Domain
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